MV-Wissenschaft, Softcover, 188 SeitenNachhaltige Entwicklungen sind als Gebot unserer Zeit längst überfällig. Zeit wiederum ist auch eine Bedingung für Nachhaltigkeit. Welcher Voraussetzungen bedarf es darüber hinaus?Zeit für Nachhaltigkeit – Der Titel dieses Bandes ist doppeldeutig. Dieser Doppelsinn ist intendiert. Zum einen ist die Zeit reif für nachhaltige Entwicklung, oder noch schärfer formuliert: Nachhaltige Entwicklung ist als ein Gebot unserer Zeit längst überfällig. Die von der UNO ausgerufene Dekade einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung (2005-2014) kann als internationales Signal für dieses Desiderat gelten. Zum anderen wird im Kontext der UNO-Dekade deutlich, dass es für nachhaltige Entwicklungen selber der Zeit bedarf – sowohl politisch als auch im Sinne individueller Lebenszeit. Im vorliegenden Band werden diese beiden Aspekte einer Zeit für Nachhaltigkeit diskutiert. Im ersten Teil des Bandes finden sich Reflexionen zur Zeit als Bedingung der Möglichkeit für Nachhaltigkeit. So formuliert die Herausgeberin und Geschäftsführerin des Instituts für Umwelt – Friede – Entwicklung, Petra C. Gruber in ihrem Beitrag Zeit für Nachhaltigkeit ein Plädoyer für ganzheitlicheres Denken und Handeln. Der Musiker, Biologe und Philosoph Eugen Schulak widmet sich der reflektierten, kultivierten Lust und Nachhaltigkeit, der Suche nach dem subjektiv sinnvollen Maß – der Lebenskunst nach Epikur. Der Musiker, Arzt und Buchautor Axel Braig skizziert in seinem Beitrag Time is honey – Alternativen zur Diktatur der Zeit die Schattenseiten der Uhrzeit als Herrschaftsinstrument und befürwortet ein anderes Zeitverständnis.Im zweiten Teil des Bandes sind mehrere Unzeitgemäße Betrachtungen zu zeitgemäßer Nachhaltigkeit enthalten. Der Soziologe, Kulturanthropologe und Schriftsteller Andreas J. Obrecht erklärt unterschiedliche individuelle und gesellschaftliche Entwicklung über verschiedene Zeitstrukturen. In Keine Zeit für „Entwicklung“ wird unsere Zeitarmut, ja Zeitverelendung gegenüber dem Zeitreichtum, der zeiterfüllten Wirklichkeit „armer“ Gesellschaften deutlich. Vor diesem Hintergrund ist die Lektüre des Beitrags Kann Reisen in fremde Welten zum interkulturellen Verständnis beitragen? einmal mehr aufschlussreich, wenn die beiden Tourismus-Expert/innen Christian Baumgartner und Silvia Stuppäck der Frage nachgehen, ob Reisen in fremde Welten zum interkulturellen Verständnis beitragen kann. Conditio sine qua non eines solchen interkulturellen Verständnisses ist „Respekt“. Die Herausforderung der ausdrücklichen Wertschätzung des Anderen, das Aushalten und Bejahen von Differenzen behandelt der Erziehungswissenschafter Reinhold Stipsits in dem darauf folgenden Beitrag Respekt entwickeln als Bildungsaufgabe. Die Befähigung zum respektvollen Miteinander erweist sich damit als eine wichtige Aufgabe einer „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“. Wie gegenwärtig jedoch die Formen schulischer Bildung einem solchen Anspruch vielfach noch entgegenstehen, beschreibt der Erziehungswissenschaftler Martin Heinrich in seinem abschließenden Text: Zeit für nachhaltige Bildung – Analysen vor dem Hintergrund einer empirischen Studie zu SchülerInnensichtweisen zur Nachhaltigen Entwicklung.Das Buch bietet unter Anderem eine Nachlese der wichtigsten Beiträge der Veranstaltungen „Zeit, einfach gut zu Leben“ (April 2004) sowie „Respekt entwickeln“ (November 2004) des Instituts für Umwelt - Friede - Entwicklung (IUFE) mit Sitz in Wien.