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Gruber. Petra - Identität - Globalisierung - Nachhaltigkeit


[3-86582-203-7]

MV-Wissenschaft, Softcover, 310 Seiten

Die Idee nachhaltiger Entwicklungen steht gegen den Zeitgeist. Das Buch bietet einen Diskurs das normative Leitbild in einem weiten Spektrum unterschiedlicher Positionen.

Die Idee nachhaltiger Entwicklungen steht gegen den Zeitgeist. In diesem Sinne ist sie revolutionär. Ihr subversives Potenzial ist allerdings dadurch geschwächt, dass sie kein klar definiertes Programm darstellt, sondern nur ein „normatives Leitbild “.

Damit die Idee der Nachhaltigkeit auch praktisch belebt werden kann, ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess der verschiedenen Akteur/innen notwendig. Aus den konträren Auffassungen der einzelnen Stakeholder muss sich im Diskurs die Identität Nachhaltiger Entwicklung herausbilden. Im vorliegenden Buch wird dieser Diskurs in einem weiten Spektrum unterschiedlicher gesellschaftlicher Positionen geführt: Vertreter/innen aus Wirtschaft, Politik, NGOs sowie der Wissenschaft diskutieren ihre Auffassungen von Identität und Nachhaltigkeit in einer globalisierten Welt.

Den Auftakt macht der Vorstand des Instituts für Religionspädagogik und Katechetik Martin Jäggle. In seinem Beitrag unter dem gleichnamigen Veranstaltungstitel Nachhaltige Identitätsentwicklung in einer globalisierten Welt geht es um eine begriffliche Annäherung, förderliche und hemmende Faktoren für die Entwicklung von Identität und deren Konsequenzen.
Chibueze Udeani, Theologe aus Nigeria analysiert Nachhaltige Identität – ein Balanceakt zwischen dem Eigenen und dem Anderen auf drei Ebenen: Zwischen den Extrempositionen Individualisierung und Partizipation, als statisches bzw. dynamisches Identitätsverständnis, im globalen und lokalen Kontext.
In Moralische Identität in einer globalisierten Welt problematisiert der Pädagoge Martin Heinrich die Widersprüchlichkeiten unser Gesellschaft und erörtert anhand konkreter Beispiele die unterschiedlichen Reaktionsmöglichkeiten - von der reflektierten Hinnahme zum reflektierten Protest über die Dekomposition des Urteilsvermögens hin zum reflektierten Apologeten.
Die Philosophin und Wissenschaftsjournalistin Petra Mayr skizziert in Identität durch Arbeit - Von der Suche nach dem Sinn in der Erwerbsarbeit das Dilemma von Sinn und Notwendigkeit. Der Beruf wird als Brandmal der Menschwerdung, der bezahlte Mensch als Ware thematisiert.
Wie wir unsere Identität als Standort der sozialen Marktwirtschaft unter den Bedingungen der Globalisierung sichern und weiter entwickeln, betrachtet der Vorstand der MIBA AG, Peter Mitterbauer in seinem Beitrag Identität, Ökonomie und Verantwortung, der das CSR-Leitbild (Corporate Social Responsibility) vorstellt und dafür plädiert, die Herausforderungen der Globalisierung anzunehmen.
In Globalisierung, Identität und Unternehmensverantwortung zeigt Karin Küblböck, Vorstandsmitglied von Attac Österreich und wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖFSE, auf, wie die gegenwärtige Form ökonomischer Globalisierung die Ungleichverteilung verstärkt und sinkende Unternehmens- und Vermögenssteuern das postulierte verantwortungsvolle gesellschaftliche Handeln konterkarieren.
Eine gerechtere Welt ist möglich ist die Botschaft des ehemaligen Vizekanzlers und Ehrenpräsidenten des Ökosozialen Forums Österreich Josef Riegler, der mit dem „Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“ ein Politikmodell vorstellt, das dem Gebot der Nachhaltigkeit entspricht. Europa kommt bei dieser „Win-win-Strategie“ eine besondere Bedeutung zu.
Der wissenschaftlicher Politikberater, Wirtschaftsconsultant und Buchautor Johannes Michael Schnarrer erläutert in Identität und Würde als Ausdruck der Ehrfurcht vor der Schöpfung wie christliches Sozialdenken auf eine humane Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Freiheit abzielt.
In Kampf, Magie und „objektive“ Wirklichkeiten schreibt Andreas J. Obrecht, Soziologe, Kulturanthropologe und Literat über Kriegerische Identität in einer scheinbar pazifizierten Welt. Erzählungen aus der Wildnis werden modernen Weltbildern gegenübergestellt und das matristische Prinzip als Gegenwelt erklärt.
Die Geschäftsführerin des Instituts für Umwelt – Friede – Entwicklung, Petra C. Gruber macht sich in ihrem Beitrag Mann Macht Krieg – Frauen Entwickeln Frieden? darüber Gedanken, wie wir die Polarisierungen, die der Kunst des Friedens entgegenstehen, überwinden können.

Die konkreten Vorstellungen der einzelnen Autor/innen zur Identität und Nachhaltigkeit speisen sich dabei aus ihrem Selbstverständnis – und damit auch aus ihrer je individuellen Identität im Zeitalter der Globalisierungen. Die Lektüre dieser Aufsätze – und damit das Nachvollziehen der unterschiedlichen Positionen – kann vielleicht auch zur eigenen Identitätsbildung im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung in unserer globalisierten Welt beitragen.

This product was added to our catalog on Tuesday 29 August, 2006.